Hier bestellt man einen Cappuccino auf Italienisch und einen Strudel auf Deutsch – oft am selben Tresen. Zwischen Dolomiten, Stilfser Joch und Gardasee bleiben die Beine nie lange in Ruhe ⛰️
Überquerst du den Brennerpass, merkst du schnell, dass etwas mit der Karte nicht stimmt: Die Schilder sind zweisprachig, die Dörfer heißen zugleich Brixen und Bressanone, und neben Pasta serviert man dir Sauerkraut. Trentin-Südtirol gehört erst seit 1919 zu Italien, und in Südtirol wird noch zu 70 % Deutsch gesprochen. In manchen Tälern kommt sogar eine dritte Sprache dazu, Ladinisch, ein Erbe des Lateins der Legionen. Bozen gibt sich als Hauptstadt des Nordens, mit seinen mittelalterlichen Laubengängen und seinem Museum, in dem Ötzi ruht – der Gletschermann, der in einem nahegelegenen Gletscher gefunden wurde und vor 5.300 Jahren starb. Trient hält den Süden, latinischer geprägt, rund um seinen frescoverzierten Platz. Meran pflegt seine Thermen, Bressanone seine Kreuzgänge, und Bruneck wacht über das Pustertal 🇮🇹.
Was das Gelände angeht, seien wir direkt: Es geht bergauf. Die Dolomiten nehmen den Osten ein, mit ihren Kalktürmen, die zehn Minuten vor der Nacht knallrosa leuchten – die Einheimischen nennen das Enrosadira, und ein Trail aus der Gegend trägt sogar diesen Namen. Das Sellamassiv bildet einen kompakten Block, umgeben von vier Pässen – Lieblingsspielplatz der Radfahrer. Im Westen dominiert der Ortler alles mit seinen 3.905 Metern, im Nationalpark Stilfserjoch, dem größten Alpenpark Italiens. Gleich daneben stapelt das Stilfser Joch seine 48 Kehren – etwas, das jeder Radfahrer einmal fahren will. Die Brenta-Dolomiten stehen für sich, vom restlichen Massiv isoliert, mit ihren in die Wand geschlagenen Bändern 🥾.
Und dann ist da der Gardasee, der dort auftaucht, wo man ihn nicht erwartet. Riva del Garda und Arco schmiegen sich ganz in den Norden, eingeklemmt zwischen Wasser und Kalkfelsen – Kletterer aus aller Welt kommen im Winter her, weil es mild ist, wenn anderswo alles unter Schnee liegt. Das verändert die Saison komplett. In den Höhenlagen ist es von Juni bis September machbar, viel länger kaum, aber der Garda-Sektor lässt dich das ganze Jahr laufen. November und Dezember sind dort sogar angenehm ☀️. Eine weitere Kuriosität, weiter oben: Am Reschensee ragt ein Glockenturm aus dem 14. Jahrhundert aus dem Wasser, einziges Überbleibsel eines Dorfes, das 1950 durch einen Staudamm überflutet wurde. Die Bewohner wurden umgesiedelt, der Turm blieb.
Der Rennkalender in Trentin-Südtirol ist wie gemacht für Liebhaber der Berge. Der Dolomyths Run startet im Juli in Canazei und umrundet die Sella – ein Klassiker im alpinen Kalender. Der Brixen Dolomiten Marathon steigt im Juni von Bressanone hinauf zu den Almen. Die Ortler Sky Trails kreisen ab Sulden um den Riesen Südtirols. Der Stelvio Marathon nimmt im Juli die Hänge des Passes in Angriff, und der Garda Trentino Trail bietet im Frühjahr mehrere Formate mit Start in Arco. Die XTERRA Dolomiti di Brenta läuft rund um Molveno, der Enrosadiratrail dreht im Oktober seine Runde auf der ladinischen Seite, und die Top Dolomites mischt Läufer und Radfahrer in Pinzolo. Auf der Straße versammelt die BOclassic in Bozen jedes Jahr am 31. Dezember die Weltelite des Langstreckenlaufs in den Straßen der Innenstadt – eine fünfzig Jahre alte Tradition. Die Marcialonga Running übernimmt im September die Strecke des berühmten Langlaufrennens, der Halbmarathon von Trient belebt die Hauptstadt, und der von Garda Trentino verläuft im November am See entlang. Im Januar wird La Ciaspolada sogar mit Schneeschuhen gelaufen 🌨️. Die Radfahrer zielen dagegen auf die Maratona dles Dolomites mit ihrer Teilnehmermasse und ihren für den Verkehr gesperrten Pässen – oder auf die Hero Südtirol für härteres Gravel 🚵.
Nach einem Rennen in Trentin-Südtirol isst du tirolerisch – und verstehst, warum die Portionen so großzügig sind. Der geräucherte Speck wird fein geschnitten, die Canederli – große Brotködel – landen in einer Brühe, und der Apfelstrudel setzt ohne Diskussion den Schlusspunkt 🥨. Die Äpfel kommen übrigens aus dem Vinschgau, einem der größten Obstgärten Europas. Im Glas kommen Lagrein und Gewürztraminer von hier; der zweite verdankt seinen Namen dem Dorf Tramin (Alkoholkonsum ist gesundheitsschädlich, bitte in Maßen genießen). Unter den lokalen Figuren hat die Bergwelt hier ihren bekanntesten Botschafter hervorgebracht: Reinhold Messner, in Bressanone geboren, der Erste, der den Everest ohne Sauerstoff bestieg und anschließend alle vierzehn Achttausender vollendete 🏔️. Die Biathletin Dorothea Wierer aus Bruneck hat ihre Vitrine mit Kristallkugeln gefüllt. Unerwarteter: Giorgio Moroder, der Produzent, der die elektronische Disco erfand und drei Oscars abräumte, wuchs in St. Ulrich in Gröden auf 🎹. Also: Sellaronda oder gemütliche Runde am Garda-Ufer? Schau dir die Trails und die Halbmarathons der Gegend an – und bring deine Beine in Stellung 👟.
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